Solarlampen für die Landbevölkerung in den Nordanden Perus

Gut für die Umwelt und die Menschen - PROJEKTTRÄGER Escuela Rural Andina (Schule für ländliche Entwicklung – ERA)
Unterstützende Gruppe in München: Perugruppe München im Zusammenschluss Bayerischer Bildungsinitiativen e.V. Mai 2009

Sozialer Hintergrund des Projekts:

Die nördliche Andenregion Perus, Cajamarca, hat die vierthöchste Bevölkerungszahl in Peru. Aus dieser Region müssen viele Menschen an die Küste, in die großen Städte oder in den Regenwald abwandern. An der Küste und in den Städten arbeiten sie als Arbeiter, Straßenhändler etc. Im Regenwald holzen sie weiter den amazonischen Regenwald ab, um dort Landwirtschaft zu betreiben, was dort überhaupt nicht angemessen ist.

Der Grund liegt darin, dass ca. 70% der Bevölkerung der Region Cajamarca weiterhin Kleinbauern sind mit meistens nur wenig Hektarfläche, oft in nicht produktiven Gebieten in den Bergen. In Geld ausgedrückt ist das monatliche Einkommen nur ca. 70 € für eine größere Familie.

Die Region ist inzwischen außerdem Produktionsstätte für große Goldminen. Die hohen Einnahmen bleiben aber nicht in der Region.
Ein großes Problem auf dem Land dort ist der (Vieh)-Diebstahl, der existenzbedrohend für die Kleinbauern (campesinos) wurde. Dagegen haben sie sich in den Dörfern und Weilern organisiert, indem sie Nachtwachen (rondas campesinas) einrichteten. Dadurch ist der Diebstahl um ca. 90% zurückgegangen. Die Zahl würde sofort sich verändern, wenn es die – unbewaffneten – Nachtwachen nicht mehr geben würde.

(Aus den „rondas campesinas“ sind inzwischen demokratische Nachbarschafts­organisationen geworden, die sich um viele Dinge kümmern, wie Gesundheit, Schulen, nachbarschaftliche Zusammenarbeit etc., weil von staatlicher Seite da zu wenig getan wird

Die konkreten Einsatzformen der Solarlampen:
1. Die o.g. Nachtwachen benützen für ihre nächtlichen Kontrollgänge Taschenlampen, die mit üblichen Batterien funktionieren. Diese können nicht richtig entsorgt werden, sondern werden nach Gebrauch irgendwo liegen gelassen. Damit verseuchen sie die Böden. Außerdem ist das ein wirtschaftliches Problem: 2 Taschenlampenbatterien kosten 1 $, wobei die Leistungsdauer nur ca. 12 Stunden beträgt.
Lichtquellen wie Solarlampen sind eine wirtschaftlich interessante und für den Umweltschutz positive Variante.

2. Auf dem Land in den Nordanden Perus gibt es ganz wenig Stromenergie. Das beeinträchtigt die Lebensqualität besonders der Kinder und der Frauen in den kleinen Weilern. Die Kinder helfen nach der Schule zu Hause, auf dem Feld etc. und machen ihre Hausaufgaben in der Nacht. In den Anden, nahe am Äquator ist es um ca. 18 Uhr täglich Nacht. Sie lernen mit Kerosinlampen oder mit Kerzen.

Auch das ist dort ein wirtschaftliches Problem: Ungefähr drei Liter Kerosin kosten ca. 2,70 € und 10 Kerzen kosten 0,70 – 0,80 €. Das dafür notwendige Geld steht für Essen, Kleidung, Gesundheit etc. nicht zur Verfügung. Die Solarenergie ist eine sehr gute Alternative gegen Umweltzerstörung und für eine nachhaltige Entwicklung für die Campesino-Familien.
Ziel des Projekts: Verbesserung der Lebensqualität, Verminderung der Umwelt­ver­schmutzung, Verbesserung der Gesundheit durch Verringerung von Ruß und schlechtem Licht durch Kerzen, Verbesserung der Lernsituation spez. für die Kinder mit einer Energie­form die einfach zu handhaben ist und wirtschaftlich vernünftig in dieser Region. Konkret geht es um den Einsatz regenerativer Energie durch die Einführung von Solarlampen.

Strategie und Methodologie des Projekts:
Es handelt sich um eine bisher in den Nordanden wenig bekannte Energieform, die zur Einführung eine Beratung bedarf. Es gibt Kooperationsmöglichkeiten mit einer Solarlampen-Organisation in Bayern.
Es ist geplant, ca. 150 Solarlampen als Pilotprojekt einfzuführen und das für Familien in den Provinzen Chota, Cajamarca, Santa Cruz und Hualgayoc.
Die Solarlampen werden aber nicht einfach verteilt. Das Prozedere sieht so aus:
a. Mit o.g. Rondas campesinas als repräsentative Organisationen auf dem Land werden entsprechend kleine Verträge gemacht.
Die ERA – Schule für ländliche Entwicklung (wo immer Kurse für Leiterinnen und Leiter von Gruppen aus den Andendörfern stattfinden) – bildet die PromotorInnen zu Solar-Energie-Akteure aus und organisiert ein System (Wartung odgl.) um einen langfristigen Gebrauch zu garantieren.
Für die Zukunft ist angedacht, und da werden dann die Erfahrungen dieses Pilotprojekts eingearbeitet, dass z.B. für Schulen, Gesundheitsposten, Werkstätten mit Webstühlen für die Frauen oder ländlichen kleinen Kulturzentren etc. größere Solarlampen-Komplexe eingeführt werden. Dazu werden zwei Techniker der ERA ausgebildet, damit diese dann die semi-professionale Betreuung dieser Systeme anleiten können.
Die Solarlampen werden nicht verschenkt, sondern zum Herstellungspreis übergeben mit einem kleinen Aufpreis, mit dem dann weitere Solarlampen in der Zukunft gekauft werden können.
Es werden aus Anlass dieser Solarlampen kleine Gruppen mit der Idee der MIKRO­KREDITE eingerichtet, damit diese Solarlampen mit sehr günstigen Raten abbezahlt werden können. (Anmerkung: Die Erfahrung zeigte auch hier: Alles, was ganz umsonst ist, wird nicht so gewürdigt und gewartet als das, was man – sehr günstig zwar – selbst zahlt). Diese Mikrokredite werden von der ERA verwaltet.
Die rondas campesinas verpflichten sich, für die Rückzahlung zu sorgen. Der Zeitraum ist für 5-6 Monate geplant. Bei einer Summe von ca. 25 € pro Lampenset wäre das das Geld, was die erwachsenen Männer für Taschenlampenbatterien im gleichen Zeitraum ausgeben würden und danach wäre diese Energie kostenfrei, weil sie tagsüber mit Sonnenkraft aufgeladen und nachts benutzt werden kann, ohne Umweltverschmutzung.
Die Planung ist, dass in zwei Jahren ca. 600 Familien mit dieser umweltfreundlichen Energieform ihre Lichtquelle erhalten.
Wenn sich diese Energieform und die Einrichtung von größeren Solarlampen-Komplexen gut einführt, soll es einen Arbeits- und Ausbildungsvertrag mit der Nationalen Universität von Cajamarca geben.