Lernen, dass die Erde rund ist ...

und alle Menschen miteinander verwandt sind, das ist noch immer nicht selbst verständlich.

Als die Erde noch eine Scheibe war,

und das ist noch gar nicht so lange her, dass die Menschen das glaubten und die Kirche Leute umbrachte, die etwas anderes behaupteten...
da waren sich die Europäer sicher, dass sie die Besten seien und alle Arbeit der anderen Völker für sie da sei. "Von Gottes Gnaden" plünderten sie alle Länder, verkauften Menschen als Sklaven und nannten das noch Mission. Alle Geschäfte machten unsere europäischen Länder reicher.

Erzählt wurde, dass es an unserem Fleiß liegt, dass es uns besser geht, und wer was anderes sagt, bekommt Ärger.

Heutige Handelsbeziehungen

Durch Handelsabkommen und Zollbeschränkungen sind Rohstoffe bisher für uns immer günstiger, blieb der Gewinn immer in unserem Land. Seit der Globalisierung, der Verschiebung von Handelsgrenzen über die Staaten hinaus, verschieben sich die Gewinne mit den Geldflüssen auch mehr in andere Regionen: Jeder Liter Benzin pumpt auch Geld in die Öl-Förderländer, jeder Computer und jede Playstation, die wir aus chinesischer oder indonesischer Frauen- und Kinderarbeit kaufen, lässt Gewinn-Anteile im Handel hier und in den reichen Schichten dort.

Neue Weltbewegungen

In den Welt-Sozial-Foren haben sich Gruppen aus aller Welt zusammen gefunden, die sich von ihren Bemühungen um gerechtere Lebensverhältnisse berichten und gegenseitig unterstützen: Gegen die Wasserverschmutzung in aller Welt, gegen die Benutzung der Menschen wie Ware, für Ausbildung und Lebensmöglichkeit aller in Vielfalt und Freude.

Zukünftige Weltverhältnisse




GLOBALES LERNEN IN DER FORMALEN UND NICHT FORMALEN BILDUNG

Anmerkungen für unsere Bildungsarbeit in Sachen „Eine Welt“, Globales Lernen oder Lernen für eine nachhaltige Entwicklung
Bisher haben wir von schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit gesprochen. Interessanter ist vielleicht die Unterscheidung zu machen zwischen formaler und nichtformaler Bildung.
Formale Bildung bezieht sich auf das gesamte hierarchisch strukturierte und zeitlich aufeinander aufbauende Schul-, Ausbildungs- und Hochschulsystem. Vorrang hat hier immer noch die Aneignung von „abstraktem“, in Noten „fassbares“ Wissen (Leistungszertifikate). Die Schule hat dabei die Aufgabe der Qualifikation aber auch der Selektion und Statuszuweisung.
Unter nicht-formaler Bildung ist jede Form organisierter Bildung zu verstehen, die einen Angebotscharakter hat und freiwillig ist.
Sie ist aber nicht ungeregelt. Diese Regeln und Vereinbarungen müssen weitgehend selbstbestimmt festgelegt werden.


Die Bildungsinhalte bei der nicht-formalen Bildung orientieren sich
- am Einzelnen (Stichwort: Persönlichkeitsbildung)
- der Gruppe (Teamarbeit, soziale Komponente)
- und an der Gestaltung der Welt (Gesellschaft, Politik).
Im Mittelpunkt steht die Gruppe als Lern- und Erfahrungsfeld.

Wichtig sind uns dabei die Bildungsziele (die wir nie als „neutral“ sehen sollen): Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit, kritische Solidarität, Anerkennung, gegenseitige Verantwortung, d.h. die Lernenden sollen Subjekte und nicht Objekte des Lernens sein (Paulo Freire).

Zu den Methoden:

Ganzheitliches, erfahrungsorientiertes, Selbst-Reflektion ermöglichendes Arbeiten, d.h.
- Gruppenarbeit steht vor Einzelarbeit, bzw. es geht um eine Kombination von Einzelarbeit-Gruppenarbeit-Einzelarbeit...
- Meistens ist unsere Einladung z.B. an Schulen, für eine Veranstaltung eine Form der Kurzzeitpädagogik. Das erschwert die Arbeit, weil man ganz schnell mit der Gruppe (Klasse, Abendseminar) in Kontakt kommen muss und die TeilnehmerInnen erst im Laufe der Veranstaltung etwas kennen lernen kann.
- Wir müssen, um „in die Schule zu kommen“, oft den bezug zum „Lehrplan“ herstellen, der ja nun nicht immer das „volle Leben“ widerspiegelt. Wir sollen nicht dem Druck nachgeben, wie diese Vereinbarkeit mit dem Lehrplan „effizient“ und messbar (Noten, ökonomische Verwertungskriterien) zu vereinbaren ist.
Persönlichkeitsbildung – Gruppenerfahrung und „Gestaltung von Welt“ sind gerade für junge Menschen heute Schlüsselqualifikationen, die wir im Blick haben und die auch als besonders förderungswürdig von uns einzufordern sind.

In unserer modernen Gesellschaft gibt es unterschiedliche Bildungsträger mit einem eignen pädagogischen Konzept (Globales Lernen) und entsprechenden eigenen pädagogischen Methoden, Formen und Instrumenten.

Deshalb ist Vorsicht angesagt, wenn wir immer noch von „schulisch“ und „außerschulisch“ sprechen. Da bedeutet „schulisch“ im vorherrschenden Bewußtsein eher „das Eigentliche“ und außerschulisch eher “das Ergänzende“
(Nach Prof. Dr. Andreas Thimmel, HS Köln, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften)

Damit stellen wir unser eigenes Konzept in die falsche Unterordnungsecke und akzeptieren zu schnell ungute Bedingungen (45-Minuten Auftritte, Verbot die Tische zu verrücken, die „besten“ und die „schlechten/störenden“ hinterher der LehrerIn melden, dann die Lehrerin die immer die Fragen oder Antworten „richtig kommentiert“ oder Verweise erteilt...all das hab ich an Schulen erfahren).

Eine Kooperation auf Augenhöhe muss z.B. von der Schule und anderen Bildungsträgern ausgehandelt werden. Akteure der nicht-formalen Bildung müssen sich auch natürlich mit dem Schulsystem und deren „Kultur“ (z.T. „Unkultur“) oder der in Jugendeinrichtungen etc. beschäftigen und sich darin bewegen können. Das bedarf einer Unterstützung von „Vermittlern“ aus der formalen Bildung hin zur nicht-formalen Bildung.
Es benötigt aber auch eine bessere Aus- und Fortbildung von LehrerInnen, angemessener, offener und „über den Tellerrand blickendem“ Umgang mit Menschen aus anderen Bildungsbereichen, wie Eine-Welt-Gruppen arbeiten zu können.

Heinz Schulze Agenda-Koordination Eine Welt, München Mai 2009

Rundbrief zum neuen Schwerpunktprojekt „Entwicklungsland Bayern – Globalisierung zukunftsfähig gestalten“ ist erschienen: Siehe www.entwicklungsland-bayern.de bzw. http://www.entwicklungsland-bayern.de/rundbrief/
Nächstes Treffen „Forum Globales Lernen in Bayern“ am Fr, 30.10.2009, 14.30 – 17.30 Uhr, in München. Siehe www.globaleslernen-bayern.de
Fair Handels Messe Bayern am 11.7.2009, 10.30 – 17.00 Uhr, im Augsburger Rathaus: www.fairerhandel-bayern.de (dort auch das komplette Programm incl. der angebotenen 20 Infoshops und Bildungsangebote).