Mit der Mutter Erde wieder ins Gleichgewicht kommen, um das Leben auf der Erde zu retten

von Heinz Schulze, Perugruppe München

Erklärung von Lima.

Das internationale Forum „Indigene Völker, Bergwerk, Klimawandel und das GUTE LEBEN fand vom 18.-20.11.2010 in der peruanischen Hauptstadt statt.

Wir indigenen Völker, indigene Dorfgemeinschaften und soziale Organisationen aus Lateinamerika, Afrika und Europa... erklären nach drei Tagen intensiver Diskussionen:
WIR STELLEN FEST
Wir indigenen Völker und Dorfgemeinschaften (Andenhochland und amazonischer Regenwald) sind Überlieferer uralten Wissens, das es ermöglicht hat, unseren Planeten tausende von Jahren zu schützen und zu erhalten.
Unsere überlieferten Kenntnisse und deren Anwendung wie das Prinzip der Gegenseitigkeit (Reziprozität) und der Ergänzung mit der Mutter Erde (Pachamama oder auch madre naturaleza gennant, H.Sch.) waren die Prinzipien, die es ermöglichten, ein Leben in Harmonie mit dieser zu führen. Das ist das, was wir heute DAS GUTE LEBEN nennen. Seit den Zeiten unserer Vorfahren erhalten wir auch die biologische Vielfalt.

Unser Leben in Harmonie mit der Natur wurde zerbrochen als Menschen aus westlichen Ländern kamen, die ihren Reichtum suchend, unsere Territorien besetzten. Sie begannen mit dem Raubbau der Natur, hinterließen Umweltzerstörung, Krankheiten und Tod. Heute geht die Vernichtung durch neue internationale Eroberer, die Großkonzerne, weiter.
Sie werden von den Regierungen unserer Länder gesegnet unter dem Mythos des wirtschaftlichen Wachstums. Das förderte die irrationale Ausbeutung der Rohstoffe in unseren Territorien und lässt Armut und Vergiftung der Natur zurück.

Unsere Territorien, eigentlich voller Leben, wurden umgewandelt in Territorien der Verschmutzung, der Vergiftung von Mensch und Natur, in Gebiete der Militarisierung, der Kriminalisierung unserer Kämpfe.
(…) Auf der anderen Seite entwickelten sich unsere Territorien in Widerstandsregionen. Hier wird gekämpft, werden Vorschläge gemacht, wie die Umwelt erhalten werden kann. Wir besinnen uns mehr auf unsere Formen Probleme gemeinsam zu besprechen und zu lösen.

Durch die neoliberale Wirtschaftsoffensive hat sich die Ausbeutung der natürlichen Reichtümer verstärkt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Freihandelsabkommen zwischen den Staaten. Diese setzen sich über unsere kollektiven Rechte hinweg, die u.a. in der UN-Deklaration für Indigene Völker und in der ILO-Konvention 169 festgelegt sind.

Durch den ausufernden Konsum in den westlichen Industrieländern, die Ausbeutung unserer natürlichen Reichtümer, die starke Industrialisierung in den sog. Schwellenländern entwickelte sich das, was KLIMAKRISE genannt wird. Hinzu kommt noch die Ernährungskrise.

Die globale Klimaerwärmung hat die Risiken für die indigenen Völker erhöht und die überlieferten Lebensformen stark verändert. (…)
Wir sind diejenigen, die am Wenigsten zur Klimaerwärmung beitragen, aber am schlimmsten davon betroffen sind. Außerdem sind wir aus den internationalen und nationalen Verhandlungen anlässlich der Klima ausgeschlossen.

Die Staaten haben neue politische Formen der Kriminalisierung eingeführt. Mit neuen „Straftaten“, die das einzige Ziel haben, unsere Kämpfe zu schwächen, werden tausende indigener FührerInnen verfolgt, angeklagt und ins Gefängnis gesteckt, weil sie unsere Mutter Erde verteidigen.


Aus all diesen Gründen erklären wir:
Wir rufen auf zur Einheit aller indigenen Völker und sozialen Bewegungen weltweit und dazu, aktiv zu bleiben zur Verteidigung der Mutter Erde, zum Aufbau pluri-nationaler Staaten und dem Prinzip des GUTEN LEBENS auf globaler Ebene. (…)
Wir fordern von den Staaten, dass sie unsere Rechte anerkennen und einhalten. Hierzu gehören die (o.g.) internationalen Abkommen, damit wir über unsere Lebensform selbst entscheiden können.

Wir klagen die Kriminalisierung der Verteidiger der Mutter Erde an, deren Verfolgung, Gefängnisstrafen und Ermordung.
Wir fordern eine Agrarpolitik, die eine Ernährungssicherheit- und Autonomie ermöglicht sowie eine rationelle und gerechte Verteilung des Wassers.
Angesichts des Klimawandels:
fordern wir von den Staaten... dass unsere Rechte akzeptiert werden.
Wir fordern die Respektierung gegenüber der Mutter Erde und allen Lebewesen.
Wir fordern von den Staaten, die für den stattfindenden Klimawandel verantwortlich sind, dass diese ihre Klimaschuld bezahlen. Wir würden dazu ein Internationales Tribunal für Klimagerechtigkeit organisieren. (…)
Wir fordern, dass in den Abkommen zur Klimaanpassung und Milderung der Effekte des Klimawandels unsere Kenntnisse und Prinzipien der Gegenseitigkeit und Ergänzung mit der Mutter Erde eingebunden werden. (…)
Die ökologische Schuld der westlichen Staaten muss von diesen bezahlt werden. Die dafür eingerichteten Fonds sollen vorrangig der von dem Klimawandel besonders betroffene Bevölkerung im Süden zugute kommen.
Wir weisen die falschen Lösungen des CO-2- Marktes zurück sowie alle Vorstellungen, die die Mutter Erde als Ware ansehen.
Wir sind gegen die aktuelle Form des REDD ( Verringerung von Emissionen, die durch Entwaldung und die Degradierung von Wäldern entstehen) sowie den Anbau von Agrotreibstoffen, die die Ernährungssicherheit gefährden.

Wir sagen deutlich: MIT DEM LEBEN MACHT MAN KEINE GESCHÄFTE!
Wir fordern, dass alle Programme gegen Waldzerstörung die Rechte der indigenen Dorfgemeinschaften respektiert: Territorium, Autonomie und Mitsprache. (…)
Wir fordern, dass die Regierungen ihre Politik, die die Abholzung fördern, ändern und die Vorhaben der indigenen Bevölkerung im Sinne einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung fördern. (…)
Angesichts der Bergwerksaktivitäten sagen wir:
Wir rufen mit aller Kraft: Nein zum Bergbau, ja zum Leben. Das betrifft vor allem die Bergbauaktivitäten internationaler Konzerne und die Bergbauaktivitäten in indigernen Territorien. Hier fordern wir die Aberkennung aller Abbau-Genehmigungen, die ohne vorherige Information
und Partizipation der betroffenen indigenen Bevölkerung erteilt wurden.

Wir betonen, dass wir indigene Völker seit uralten Zeiten die legitimen, kollektiven Besitzer des Landes oberhalb und auch unterhalb des Bodens sind, sowie der natürlichen Reichtümer innerhalb unserer Territorien. Wir fordern von den Vereinten Nationen, dass diese natürlichen Reichtümer als Kulturgüter der indigenen Völker anerkannt werden.

Wir setzen uns dafür ein, dass das Modell der Extraktion, der Ausbeutung von Rohstoffen geändert wird – hin zu einem Modell, das dem GUTEN LEBEN der indigenen Völker auf der ganzen Welt dient.

Wir müssen unsere Kämpfe dahingehend ausrichten, dass Gesetze erlassen werden, die den Bergbau in verbotenen Zonen in unseren Regionen verbietet, wie das in Costa Rica erreicht wurde. (…)

Wir rufen indigene Dorfgemeinschaften auf, keine Bergbauprojekte zu aktzeptieren, die nicht vorher in einem transparenten Prozess von ihnen akzeptiert wurden.

Wir rufen auf zur Beteiligung an kontinentalen und internationalen Kampagnen gegen internationale Organisationen (z.B. die Weltbank), die mit ihren Programmen die Klimaerwärmung anheizen, den CO-2-Ausstoß erhöhen und das, weil sie gegen unsere Kenntnisse und Rechte agieren. (…)

Wir bitten um Unterstützung in den Fällen von Menschenrechtsverletzungen zum Vorteil der Bergbaukonzerne, z.B. wenn ganze Dörfer gewaltsam umgesiedelt werden. (…)
Wir rufen... zu einer großen Demonstration in ganz Lateinamerika am 21.6.2011 auf zur Verteidigung des lebens, der Ermöglichung eines GUTEN LEBENS, für unsere Rechte gegenüber den (Bergbau)-Konzernen und der Klimakrise. Lima, 20.11.2010. Teilnehmer an diesem Forum und Erstunterzeichner (Auszug von über 80 Organisationen)
Coordinadora Andina de Organizaciones Andinas (CAOI)/ Coordinadora de las Organizaciones Indígenas de la Cuenca Amazónica (COICA)/ Consejo de Centro América/ Alianza Social Continental/ Confederación nacional de Comunidades del Peru Afectadas por la Minería – CONACAMI / Confederación De Pueblos de La Nacionalidad Kichwa del Ecuador – ECUARUNARI / Organización Nacional Indígena de Colombia – ONIC / Organización de Pueblos y Naciones Indígenas en Argentina, ONPIA/ Foro Ciudadano de Participación por la Justicia y los Derechos Humanos, FOCO,Argentinia / FUNDAMAYA, Guatemala/ Coordinadora de Organizaciones Maya Kaqchikel para el Desarrollo Equitativo y Sostenible, Guatemala,/ Maderas del Pueblo de Sureste Chiapas, mexiko / Movimiento de Mujeres Indígena Tzùnuntja, Guatemala / Asamblea Buenos Aires no a la Mina, Argentinia / Confederación Indígena Neuquina de Argentinia / Consejo Mapuche de Neuquén, Argentinia / Salva la Selva / Coordinadora Nacvional de Fondos Regionales y Organizaciones Indigenas y Campesinas, Mexiko / Fronteras Comunes – Common Frontiers, Canada / Instituto de Cultura Indígena Jujuy, Argentinia / Televisión Indigena Jujuy, Argentinia / Horizón Peru – Red Ambiental la Libertad/ Red Méxicana de Afectados por la Minería/ Consejo RegionalIndígena de CAUCA, CRIC, Colombia / Movimiento Ciudadano frente al Cambio Climático, MOCCICA / Marcha Mundial de Mujeres / Servicios Jurídicos y Sociales – SERJUS / Comarca Ngäbe-Bugle, Pueblo Indígena de Panamá / Instituto de Investigación Desarrollo y Derechos Humanos DEVENIR / Movimiento para la Salud de los Pueblos / Programa de Estudios Antropólicos de El Colegia de San Luis / Consejo de Aumautas Indigenas del Tawantinsuyo / Organización Wiwa Yugamaiun, Sierra nevada, Colombia / Cabildo Mayor- Asociación de Autoridades Tradicionalel del Pueblo / Organización Wayujumsurat – Mujeres Tejienda Paz/ Red Colombiana Frente a la Gran Minería Transnacional / Consejo de Aymará, Kechuas, Tupiguaranies para Ayllus y Comunidades / Earthworks / K`loj Qchman, Maya Man de Quetzaltenango, Guatemala / Comité de Defensa de Tierra y Bosquez de Villa Rica, Oxapampa, Peru / Corporación de Promoción y Estudios Americanos / Asociacvión de Mujeres Ngobe / Municpalidad Indígena de Santo Tomas Chichicastenango, Guatemala / Comisión Juastice et Paix Belgique/ ALTER-ECHOS, Comité en Defensa del Páramo / Preceso de Comunidades Negras de Colombia / Cabildo de Cerro Tijeras / Organización de Pueblos Yanesha Asháninka, OPIVAT, peru/ Fundación Equilibrio / World Agroforestry Centre / Consejo Regional Indígena de Caldas / Frente de Defensa de los Intereses y Desarrollo de Huanuca, Peru / Universidad Politecnica Javeriana / Coordinación de organizaciones del Pueblo Kichua Saraguro / Organización 350 / Fondo Verde / Enfasis, Peru/ Grupo Impulsar contra el Racismo y otras formas de Discriminación, Peru / Red Latinoamericana sobre Deuda, Desarollo y Dferechos – LATINDADD / Forum Solidaridad Peru / Alcaldias Indígenas de la Regiópn IXIL / Coordinadora nacional de Viudad de Guatemala, CONAVIGUA / Explorperu – Informativo Digital / Club Cultural Cusco de New York / Convergencia y Coordinadora Nacional Mya, Waquib Kej/ Programa Pueblos Indígenas y Globalización/ School for International Training / Comisión Intereclesial de Justicia y Paz / Consejo Regional del Pueblo nasa del Putomayo, Colombia / Organizaciones de la Alianza por un Comercio Responsable ART / Movimiento Ssvilupo E Pacee, Italia/ etc.